Due Diligence beim Unternehmenskauf

1. Bedeutung Due Diligence
1.1 Standardvorgehensweise beim Unternehmenskauf
Die Durchführung eines Due Diligence Verfahrens gehört zur Standardvorgehensweise beim Unternehmenskauf.

1.2 Definition Due Diligence
Im Kontext des Unternehmenskaufes versteht man unter Due Diligence die systematische Untersuchung eines Zielunternehmens durch einen am Erwerb des Zielunternehmens interessierten Erwerber.

1.3 Zweck Due Diligence
Mit der Due Diligence will der Erwerbsinteressent einen möglichst fundierten Überblick über die wirtschaftliche, finanzielle, rechtliche und steuerliche Situation des Zielunter-nehmens gewinnen. Auf der Grundlage des gewonnenen Überblicks trifft der Erwerber dann die Entscheidung, ob er das Zielunternehmen kaufen will oder nicht.

1.4 Regelmäßige Beteiligte
Regelmäßig beteiligt sind am Due Diligence Verfahren:

  • der Käufer (Erwerbsinteressent)
  • der Verkäufer (der Eigentümer des Zielunternehmens)
  • das Zielunternehmen

2. Due Diligence als Rechtspflicht
Für die Geschäftsleitung eines Erwerbsinteressenten (z.B. Geschäftsführer bei der GmbH, Vorstand bei der Aktiengesellschaft) stellt sich die Frage, ob es eine rechtliche Pflicht gibt, ein Due Diligence Verfahren durchzuführen.

2.1 Pflicht aus Verkehrssitte
Eine Pflicht aus Verkehrssitte gibt es in diesem Zusammenhang nicht

2.2 Pflicht aus AktG
§ 93 Abs. 1 AktG enthält folgende Regelung:

„Die Vorstandsmitglieder haben bei ihrer Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäfts-leiters anzuwenden. Eine Pflichtverletzung liegt nicht vor, wenn das Vorstandsmitglied bei einer unternehmerischen Entscheid-ung vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage an-gemessener Information zum Wohle der Gesellschaft zu handeln.“

Aus dieser Regelung folgt, dass der Vorstand einen Unternehmenskauf nur auf der Grundlage angemessener Informationen durchführen darf, nicht also dann, wenn das Zielunternehmen eine Black Box ist. Der Umfang der vorzunehmenden Prüfungen hängt von der Komplexität des Unternehmenskaufes ab. Je komplexer und bedeutender ein Unternehmenskauf ist, desto höher sind die Anforderungen an die vom erwerbenden Unternehmen vorzunehmenden Prüfungen. Der Vorstand, der eine Haftung aus § 93 AktG vermeiden will, muss sich an dem zuvor zitierten Sorgfaltsmaßstab messen lassen. Dies bedeutet für den Normalfall, dass der Vorstand gut beraten ist, dem eigentlichen Unternehmenserwerb ein Due Diligence Verfahren voranzustellen.

2.3 Pflicht aus GmbHG
Für die Geschäftsführer einer GmbH gelten die vorstehenden Grundsätze entsprechend, zumal die rechtlichen Grundsätze, die das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich aufstellt, auch auf die GmbH anzuwenden sind. Auch der Ge-schäftsführer einer GmbH kann sich aus einer potentiellen Haftung nach § 43 GmbHG

(1) Die Geschäftsführer haben in den Angelegenheiten der Ge-sellschaft die Sorgfalt ei-nes ordentlichen Geschäftsmannes anzuwenden.

(2) Geschäftsführer, welche ihre Obliegenheiten verletzen, haften der Gesellschaft solidarisch für den entstandenen Schaden.

nur entlasten, wenn er sich auf nachvollziehbarer – dokumentierter – Grundlage (Due Diligence Report und zum Unternehmenskauf autorisierender Gesellschafterbeschluss) zu einem Unternehmenskauf entschieden hat.

3. Ergebnis
Jedem Unternehmenskauf sollte ein Due Diligence Verfahren vorangestellt werden.

Die Intensität und Dichte des Due Diligence Verfahrens hängt von der Komplexität des Unternehmenskaufes ab.

Wird kein Due Diligence Verfahren durchgeführt, können den für das Erwerbsunterneh-men handelnden Vorstand / Geschäftsführung unlimitierte Haftungsansprüche treffen. Dieses Risiko zu vermeiden, haben Vorstände und Geschäftsführer in der Hand, wenn sie sich für die Durchführung eines Due Diligence Verfahrens entscheiden.

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